Nach engagiertem Wahlkampf erringt Gerd Teßmer 1984 das Landtagsmandat

Veröffentlicht am 05.09.2010 in Historisches
 

- aber erst nach dem „Wunder von Mosbach“

Die Landtagswahl im März 1984 stellte für die Sozialdemokratie im Neckar-Odenwald-Kreis eine Zeitenwende dar

Seit 1968 konnte mit Gerd Teßmer erstmals wieder ein SPD-Landtagskandidat im Wahlkreis 38 Neckar-Odenwald ein Mandat erringen!

Aus heutiger Sicht kann man getrost feststellen: Dafür sorgte neben der vierjährigen Dauerpräsenz des SPD-Kreisvorsitzenden und Landtagskandidaten Gerd Teßmer ein hoch motivierter Kreisvorstand und SPD-Kreisverband mit aktiven SPD-Ortsvereinen. Diese standen nicht nur geschlossen hinter ihrem Kreisvorsitzenden, sondern sie verstanden es auch im eigenen Bereich Themen zu besetzen, sich aktiv am politischen Leben zu beteiligen und in den vier Kreiszeitungen permanent Präsenz zu zeigen sowie ungezählte Aktivitäten zu entwickelen. Die überregionalen Parteigremien unterstützten zudem den Neckar-Odenwald-Kreis nach Kräften.

Einstimmige Nominierung von Gerd Teßmer als Landtagskandidat 1984

Begonnen hatte der Wahlkampf de facto schon am Tag nach der unglücklich verlaufenen Landtagswahl von 1980. Die 4 Jahre bis zur Landtagswahl 1984 blieben nicht ungenutzt: zielgerichtet und geschlossen traten die Sozialdemokraten im Kreis an die Öffentlichkeit.

Als offizieller Wahlkampfauftakt kann der 24. September 1983 angesehen werden. An diesem Tag nominierten die Kreisdelegierten in der Odenwald-Halle von Mudau einstimmig den damals 39-jährigen Realschullehrer aus Binau Gerd Teßmer zum Landtagskandidaten.
Ebenfalls ohne Gegenstimme wählte die Versammlung die Osterburkener Stadträtin Marianne Bauer zur Zweitkandidatin.
An diesem Tag brachte Helmut Rohde, Bundesvorsitzender der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Sozial- und Arbeitnehmerfragen, mit einem flammenden Appell gegen den Abbau von Sozialleistungen die Kreispartei in Wahlkampf-Stimmung. Auch der frühere Innenminister Walter Krause stellte sich Gerd Teßmer und Marianne Bauer als Wahlhelfer zur Verfügung.


Innenminister a.D. Walter Krause mit Marianne Bauer und Gerd Teßmer im Wahlkampf

Teßmer unterrichtete an der Pestalozzi-Realschule in Mosbach und trug bereits seit langem Verantwortung als SPD-Kreis- und Ortsvereinsvorsitzender und engagierte sich als Polizeifreiwilliger, DLRG-Vorsitzender, Funktionär im Fußballclub 1927 Binau, bei den Bundeswehr-Reservisten und Pfadfindern.


Zusammenarbeit mit Ministerium und Eucom HQ der US-Army

In seinem Wohnort Binau spielte er aktiv Fußball und engagierte sich als Ortsvereinsvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt Binau auch im sozialen Bereich. Seit 1971 gehörte er dem Binauer Gemeinderat an und übt dieses Kommunalamt auch heute noch aus (2010).

Intensiver Wahlkampf flächendeckend im Neckar-Odenwald-Kreis

Ab Januar 1984 waren dann tägliche Veranstaltungen bei SPD-Ortsvereinen, bei denen auch kreisweit der damals noch weithin unbekannte Film über den Neckar-Odenwald-Kreis gezeigt wurde. Allein im Januar 84 hielt Gerd Teßmer 19 Abend-Veranstaltungen in Mudau, Schwarzach, Neckarzimmern, Zwingenberg, Diedesheim, Limbach, Obrigheim, Walldürn, Aglasterhausen, Adelsheim, Buchen, Neckarelz, Eberstadt, Billigheim und Mosbach ab. Beim Neujahrsempfang der Bundeswehr sprach Teßmer Grußworte. Zur Wahlkampf-Unterstützung hatte er den agrarpolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Karl Nicola in Waldbrunn, Glashofen und Waldstetten zu Gast.
Im Februar 84 fanden an 14 Abenden Wahlveranstaltungen in Hüffenhardt, Michelbach, Waldbrunn, Neckargerach, Neunkirchen, Limbach, Neckarzimmern, Neckarburken, Haßmersheim, Sennfeld, Ravenstein, Guttenbach, Mülben und Mosbach statt. Auch die Abgeordnete vom Nachbarkreis Sinsheim, MdL Brigitte Adler, kam mehrfach zur Wahlunterstützung in den Odenwald und ins Bauland.

Im März 84 wurden weitere 16 Informationsabende veranstaltet.
Hinzu kamen zahlreiche Eigenveranstaltungen der Mitglieder des Wahlkampfteams, allen voran Eckhard Hoffmann (SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag), Rolf Schassner (Stadtrat, Adelsheim), Karl-Heinz Joseph (Stadtrat, Walldürn), Adolf Trunk (Kreisrat, Buchen), Werner Sabelhaus (Stadtrat, Osterburken), Otto Brian (Stadtrat, Mosbach), Werner Kolczynski (Gemeinderat, Fahrenbach), Volker Schwender (Stadtrat, Buchen), Klaus Schölch (Gemeinderat, Waldbrunn) und Sigfrid Krampe (Gemeinderat, Zwingenberg). Auch die SPD-Bürgermeister im Kreis Otto Freyh (Hüffenhardt), Hermann Vogt (Neunkirchen), Gerhard Hauck (Waldbrunn), Richard Reimold (Fahrenbach) und Ernst Ertl (Obrigheim) engagierten sich im Wahlkampf.
Zahlreiche Ortsvereine hatten eigene Info-Stände aufgebaut oder unterstützten die zentralen Aktionen in Mosbach, Osterburken, Buchen und Walldürn. Kirchen und Gewerkschaften luden zu zwei Podiumsdiskussionen mit allen Wahlkreiskandidaten ein, die für den SPD-Kandidaten recht positiv verliefen.
Von der SPD-Landtagsfraktion besuchte der finanzpolitische Sprecher Hans Beerstecher Mosbach und Elztal.
MdB Hartmut Soell begleitete Teßmer zur Firma Braun und zur Bundeswehr in Walldürn. SPD-Bundesvorsitzender Hans-Jochen Vogel hielt in Eberbach und Mosbach je eine Kundgebung für die SPD ab.
Vom Europa-Parlament kamen zur Unterstützung des Kandidaten Gerd Teßmer im Januar 84 MdEP Rolf Linkohr zu Betriebsbesuchen bei Levior in Binau und beim Milchwerk in Schefflenz. Im Februar besuchte Teßmer in Begleitung von MdEP Beate Weber Portland-Zement in Obrigheim, die Polizei in Mosbach und die Firma Fibro in Haßmersheim. Eigene Betriebsbesuche führten zur Firma Kapferer und Heizungsbau Heinz Faulhammer.


Betriebsbesuch bei Fa. Faulhammer

Das alles koordinierte umsichtig der SPD-Kreisgeschäftsführer Hugo Pettirsch, der bei Bedarf auch Versammlungen leitete, und von Büroleiterin Irmgard Kolczynski (Mosbach), Werner Honke (Binau), Walter Kiefer und Volker Glump (beide Michelbach) tatkräftig unterstützt wurde. Um die Wahlkampf-Finanzen kümmerte sich umsichtig Kreiskassierer Heribert Becker (Obrigheim).

Zittern am Wahltag und das „Wunder von Mosbach“

Als am Wahltag abends ausgezählt wurde, hatte die Kreis-SPD zwar mächtig zugelegt, aber es fehlten zunächst noch 55 Stimmen zum Mandat, denn die Heidelberger SPD-Bewerberin Jochum hatte 54 Stimmen mehr.
Aber am Tag nach der Wahl geschah das „Wunder von Mosbach“: Der Mosbacher Ortsvereinsvorsitzende Wilfried Pape kontrollierte alle Wahlbezirke in Mosbach. Dabei fiel ihm auf, dass aus dem Briefwahlbezirk Mosbach überhaupt keine Stimmen aufgeführt waren. Es waren etwa 1100 Briefwahlstimmen, davon 307 für Gerd Teßmer, nicht weitergemeldet worden. Eine Überprüfung bestätigte diesen Fehler und plötzlich hatte Gerd Teßmer 253 Stimmen mehr als die Heidelberger Genossin - das reichte zum Mandat !


Bericht der RNZ zum Wahlausgang

Er musste zwar noch einige Tage zittern, da nun in Mosbach und in Heidelberg alle SPD-Stimmen noch einmal gezählt wurden. Aber letztendlich blieb es dabei, das Mandat fiel erstmals seit 1964 wieder an den SPD-Bewerber im Wahlkreis 38 Neckar-Odenwald, an Gerd Teßmer aus Binau. All die Mühen der SPD-Ortsvereine, all die zahlreichen zusätzlichen Aktivitäten und der volle Einsatz von Gerd Teßmer hatten sich gelohnt.


Bestätigung des Landeswahlleiters

Auf Initiative des SPD-Ortsvereins Elztal mit dem stv. Kreisvorsitzenden Gerhard Schmitz an der Spitze richtete man dem neugewählten Landtagsabgeordneten aus Binau einen Fackelzug aus, angeführt von der Kapelle „Edelweiß“ aus Elztal. Der Binauer Gesangverein brachte sich mit einem Ständchen ein und Bürgermeister Ludwig Pfisterer und die Binauer Gemeinderatskollegen gratulierten.


Gratulation durch Binaus Bürgermeister Ludwig Pfisterer

Dank des neugewählten Abgeordneten an ‚seinen’ Kreisverband

Am 4. Mai lud der neugewählte Landtagsabgeordnete Gerd Teßmer alle Helferinnen und Helfer sowie die Vertreter der Ortsvereine zur Dankesfeier in die Elzberghalle nach Dallau ein, nachdem es am 1. Mai schon zu einer Dankesfeier für den eigenen Binauer Ortsverein gekommen war. Dabei dankte Teßmer allen Ortsvereinen, SPD-Mandatsträgern, der Kreistagsfraktion und dem SPD-Kreisvorstand für den tollen und erfolgreichen Wahlkampf. Der SPD-Kandidat hatte gegenüber 1980 immerhin 2823 Stimmen hinzugewonnen, während der amtierende CDU-MdL 2438 Stimmen verlor.
Die Presse hob diese Leistung des Kandidaten und der SPD im Kreis als herausragende Tatsache hervor. Sie betonte unisono, dass nun der Neckar-Odenwald-Kreis im Stuttgarter Landesparlament mit zwei Landtagsabgeordneten vertreten sei. Diese Tatsache wirkte sich schon sehr bald für den Neckar-Odenwald-Kreis positiv und nützlich aus.

Gerd Teßmers Mandat sollte nun für die nächsten 22 Jahre Bestand haben, bis es dann auf Karl-Heinz Joseph überging.

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