Modelle gemeinschaftlichen Wohnens im Alter in Selbstständigkeit und gegenseitiger Hilfestellung

Veröffentlicht am 14.08.2023 in Aus dem Parteileben

„Wie wollen wir wohnen?“ - Mit dieser aktuellen und drängenden Frage beschäftigt sich der SPD-Kreisvorstand schon seit geraumer Zeit. Zusammen mit dem Arbeitskreis Christinnen und Christen in der SPD luden sie Mitglieder und Interessierte ein, mit dem Landtagsabgeordneten Klaus Ranger darüber ins Gespräch zu kommen. Als Mitglied im Innenausschuss, im Petitionsausschuss und im Ausschuss Landesentwicklung und Wohnen gab er Einblicke in diese Politikfelder und Themen. Eingebracht hat er auch seine Berufserfahrung, da er sich bei der Sparkasse über 30 Jahre lang mit Wohn- und Bauthemen befasst hat.

Zuerst wurde ein privates gemeinschaftliches Wohnprojekt am Henschelberg in Mosbach besucht. Nachdem Roger Baudy als Gastgeber die Gesprächsteilnehmer und Baubürgermeister Patrick Rickenbrot begrüßte, eröffnete Dr. Dorothee Schlegel die Diskussionsrunde. Dabei betonte sie: „Wohnen brennt uns aus vielen Blickwinkeln unter den Nägeln, und es besteht zunehmend der Wunsch, über neue Wohnformen nachzudenken und sich zu informieren“.

Die Hausbewohnerinnen und -bewohner berichteten über die Schwierigkeiten und Hürden, die ein solch neuartiges Projekt auch bei den Behörden mit sich bringt, vor allem, da sie selbst mit ihrer Initiative etwas ganz Eigenes geschaffen haben. Vieles musste in der Gemeinschaft besprochen und mitgetragen werden, ob es baurechtlichen Fragen sind, aber auch die Finanzierung und die enormen Preissteigerungen.

„Wir wollen unser eigenes Ding machen. Das Mit- und das Füreinander war und bleibt uns wichtig und ist Grundlage unserer Gemeinschaft“, ist die Devise, nach der alle von Anfang bis jetzt mitgewirkt haben. Die acht Wohnungen, in denen zwölf Personen leben, fügt sich gut in die örtlichen Gegebenheiten ein. Von der Straße aus ist kaum zu erkennen, worin die Unterschiede zu üblichen Mehrfamilienhäusern liegen. Im Innenbereich wurde bewusst auf ein Treppenhaus verzichtet, so dass die Ein- und Ausgänge im Ausbereich über gemeinsame Gänge führen, bei denen man sich immer wieder begegnet und ein Austausch nicht nur möglich, sondern auch gewünscht ist.

Der großzügige Gemeinschaftraum im Innenhof bietet Möglichkeiten als Treffpunkt und wird unter anderen einmal im Monat für ein gemeinsames Frühstück samt Besprechung anstehender Themen genutzt. Angrenzend ist der Außenbereich, der mindestens genauso viel Potential als Terrasse hat. Im oberen Bereich ist ein kleines Gewächshaus, sowie Hühner sind zu finden. All dies wird in der Gemeinschaft gepflegt und funktioniert in Absprache eben nur zusammen. Auch die Waschmaschine und eines der Autos werden miteinander geteilt.

Dies sind genau die Wohnformen, die von vielen gewünscht werden. Sie basieren auf einer zu lebenden und zu gestaltenden Gemeinschaft, ist aber häufig nicht einfach zu finanzieren. Nicht nur die Antragsstellung bei den Ämtern, sondern auch die Förderprogramme, die es in Baden-Württemberg gibt, können, so MdL Klaus Ranger, leider nicht bestmöglich und unterstützend genutzt werden, da sich die Förderbedingungen zu oft ändern. Es lohne sich aber, so der Tenor der Anwesenden, sich mit Modellen gemeinsamen Wohnens, ob in Genossenschaften, als Verein, als Mietende oder als Teileigentümer zu beschäftigen.

Anschließend fuhren die Kreisvorsitzenden Dorothee Schlegel und Markus Dosch zusammen mit dem Juso-Co-Vorsitzenden Jonas Weber nach Merchingen, um sich mit dem Landtagsabgeordneten eine andere Form des Zusammenlebens im Alter anzusehen.

Nach der Begrüßung durch Michael Deuser, SPD-Ortschaftsrat in Merchingen und Stadtrat in Ravenstein, führte die Einrichtungsleiterin Stefanie Baier zusammen mit dem Wohnbereichsbetreuer Andreas Titulenko die Gäste durch die Räume der GERAS Seniorenpflege GmbH. Diese bietet für ca. 60 Bewohnerinnen und Bewohner für verschiedene Pflegegrade Platz. Versorgt werden diese von etwa 60 Pflegekräfte. Auch eine Ausbildung wird dort angeboten. Eine Besonderheit dieser Anlage ist nicht nur der schön gestalte Außenbereich, sondern auch das öffentliche Café, das Treffpunkt und Begegnungsstätte für den Ortsteil geworden ist. Denn im Ort wohnen bleiben zu können ist für viele Menschen Lebensqualität, auch wenn es nun in anderen Räumen ist.

In der anschließenden Diskussionsrunde erklärte Stefanie Baier, dass der Bedarf nach dieser Art des Wohnens so hoch ist, dass es in manchen Zimmern nur für wenige Tage einen Leerstand gibt.

Daher ist es nicht nur den Kreisvorsitzenden Dorothee Schlegel und Markus Dosch wichtig, dass beim Thema Wohnen und den verschiedenen Wohnformen flächendeckend mehr ermöglicht wird und vor allem auch bezahlbar wird und bleibt. Diese Wünsche bestärkte der Landtagsabgeordnete Klaus Ranger und wird an einer Verstetigung und Harmonisierung der Förderprogramme arbeiten.

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