Unterstützung in der Oberlausitz im Kreis Zittau 1990

Veröffentlicht am 17.06.2008 in Historisches

Fahrten nach Zittau, Oybin und Olbersdorf – Kreispartnerschaft von kurzer Dauer

Während auf der politischen Schiene der Neckar-Odenwald-Kreis mit dem Kreis Freital zusammenarbeitete, entstand parallel dazu zwischen dem Neckar-Odenwald-Kreis und dem Kreis Zittau eine Kreispartnerschaft.

Hier engagierten sich zunächst in kleiner Runde Gerd Teßmer, Rolf Schassner und Inge Kolesinski-Jelinek, etwas später kam die SPD-Kreistagsfraktion noch dazu. In Zittau galt es für die SPD zu werben, auch hier war die Stimmung nicht gerade SPD-freundlich, hatte man doch von den ‚roten Socken’ zunächst noch genug. Empfangen wurde man vom neuen CDU-Landrat Eggert, der später Innenminister von Sachsen wurde.

Kontakte zwischen den Kreisen Neckar-Odenwald und Zittau

Nach den Einzelfahrten mit jeweils 700 km einfache Fahrstrecke folgten insgesamt drei SPD-Gruppenfahrten unter Leitung vom Kreisvorsitzenden Gerd Teßmer mit 50 Personen, um die örtliche SPD zu unterstützen und auch optisch deutlich zu machen, was sozialdemokratische Solidarität bedeutet. Ansprechpartner war dabei der rührige Erich Schlörke, der später Büroleiter vom Zittauer SPD-Bundestagsabgeordneten Christian Müller wurde und in der Arbeiterwohlfahrt zum Kreisvorsitzenden aufstieg.
Auch der SPD-Agrar-Arbeitskreis des baden-württembergischen Landtags stattete unter seinem Vorsitzenden Gerd Teßmer der Lausitz einen mehrtägigen offiziellen Besuch ab und wurde in der damals noch funktionierenden LPG einquartiert. Rolf Schassner organisierte schließlich noch eine Fahrt der SPD-Kreistagsfraktion und man lernte die SPD-Kreisräte von Zittau näher kennen.

Deutschlands Wiedervereinigung gefeiert

Höhepunkt dieser Kreispartnerschaft wurde dann der Abend des 2. Oktober 1990. Im Gerhard.-Hauptmann-Theater von Zittau hielt Landrat Eggert einen Rückblick auf die alte DDR und um Mitternacht feierten Kreisräte aus dem Neckar-Odenwald-Kreis und Kreisräte aus Zittau das Aufgehen von Zittau und Sachen in der nunmehr geeinten Bundesrepublik Deutschland. Lauthals sangen die alten Bundesrepublikaner erstmals wieder nach 45 Jahren in Zittau die Nationalhymne „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Die neuen Bundesbürger, nicht gewohnt ihre Nationalhymne mitzusingen, stimmten noch sehr zögerlich mit ein. Kurz vor Mitternacht überreichte Landrat Eggert allen Kreisräten aus dem Neckar-Odenwald-Kreis noch den Orden für ‚40 Jahre DDR’ mit der Bemerkung: „Davon habe ich noch einen ganzen Schrank voll. Die werden in wenigen Minuten aber wertlos“.

Noch in der Nacht, kurz nach Mitternacht, machte sich eine kleine Gruppe von SPD-Kreisräten auf zur Grenze nach Polen. An der Neisse-Brücke, hinüber nach Kleinschönau (Sienawka) überschritt man stolz die Grenze und erhielt mit dem neuen, zunächst noch verpackten Stempel der Grenzpolizei erstmals mit dem Datum „3. Oktober 1990“ einen Ausreisestempel von Zittau mit dem Vermerk „Bundesrepublik Deutschland“. Am Vortag hatte man noch an gleicher Stelle einen „DDR-Stempel“ sich hatte geben lassen. Eigentlich hätte man für Polen noch ein Visum gebraucht, aber die polnischen Grenzer ließen die friedlichen Grenzgänger aus Deutschland ohne Weiteres passieren.

Trotz gegenseitiger Bemühungen hatte die Anfang 1990 begonnene Kreispartnerschaft zwischen dem Neckar-Odenwald-Kreis und dem ostsächsischen Kreis Zittau keinen längeren Bestand. Nach 1990 hatte man in Zittau gemeinsam die Wiedervereinigung gefeiert und 1991 mit einem Deutschlandtreffen der SPD die 70. Wiederkehr des Görlitzer Programms der SPD von 1921 mit dem Bundesvorsitzenden Björn Engholm gefeiert. Das Foto zeigt Rolf Schassner und Gerd Teßmer auf dem Görlitzer Parteitag mit Björn Engholm.

Bundesparteitag in Görlitz mit Neckar-Odenwald-Beteiligung und Ende der Partnerschaft

1991 rief die Bundes-SPD zur Großveranstaltung nach Görlitz. Rolf Schassner verbanden dies mit einem Besuch in Zittau und nahmen als Kreisvertreter der SPD Neckar-Odenwald am Parteitag teil. Der damalige SPD-Bundesvorsitzende Björn Engholm erinnerte an die schwierigen Aufbaujahre nach dem 1. Weltkrieg vor 70 Jahren, wo schon einmal durch Sozialdemokraten von Görlitz aus ein sozialer Aufbruch ausgegangen war. 1991 fand der Beschluss für einen schnellen Aufbau im wiedervereinigten Deutschland und der Ausbau freundschaftlicher Beziehungen zu Polen einmütige Zustimmung aller Delegierten.
Auch nach der Wiedervereinigung kam es noch zu Besuchen zwischen Zittauer und Neckar-Odenwälder Landräten und Kommunalvertretern und auch auf Ebene der politischen Parteien. Nach der Gründung des neuen Groß-Kreises Zittau-Löbau ließen die Kontakte aber merklich nach und kamen wegen fehlender persönlicher Beziehungen fast gänzlich zum Erliegen. Die persönlichen Kontakte waren noch nicht gefestigt genug, um 700 km Entfernung dauerhaft zu überbrücken. Aufgehoben ist die Partnerschaft zwischen den beiden Kreisen formal noch nicht, zumal sich Zittau heute als Euro-Region im Dreiländereck zwischen Deutschland, Polen und Tschechien etablieren konnte. Wirkliche Kontakte gibt es aber über die offizielle Ebene hinaus seit Mitte der 90er Jahre nicht mehr.



Die Fotos zeigen die beiden Bundesparteitagsdelegierten aus dem Neckar-Odenwald-Kreis Rolf Schassner und Gerd Teßmer in Görlitz und die SPD-Kreisräte Hermann Vogt, Herbert Kilian, Rolf Schassner und Gerd Teßmer mit Ehefrauen und Erich Schlörke von der Zittauer SPD im Zittauer Neubaugebiet.

Bericht von Gerd Teßmer

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