SPD-Wiedergründung in Freital (Freistaat Sachsen)
Als nach dem 9. November 1989 die Berliner Mauer fiel und Reisen in DDR ohne Probleme, ohne Zwangsumtausch und ohne erniedrigende Kontrollen möglich waren, bildeten sich im einstmals roten Sachsen erste Ansätze von sozialdemokratischen Ortsvereinen, die zunächst noch SDP hießen.
Vom Landesverband Baden-Württemberg wurde dem SPD-Kreisverband Neckar-Odenwald der Kreis Freital, der nach der Kreisreform zusammen mit dem Kreis Dippoldiswalde dann Weißeritz-Kreis hieß und heute im Kreis Pirna aufgegangen ist, im Süden von Dresden zugeteilt.
Wahlunterstützung in Sachsen im Frühjahr 1990
Da im März 1990 die ersten demokratischen Wahlen stattfanden, machte sich eine kleine Gruppe um Gerd Teßmer und Rolf Schassner auf, um die neuen Genossinnen und Genossen, die noch keinerlei Wahlkampferfahrung hatten, im Wahlkampf zu unterstützen. Mit Günter Siebert und Dieter Marx traf man auf die örtlichen Ansprechpartner, zu denen sehr schnell freundschaftliche Kontakte erwuchsen.
Im Januar und Februar 1990 fuhren Gerd Teßmer und Rolf Schassner dann insgesamt acht Mal Freitagabend nach Freital klebten den ganzen Samstag Plakate, verteilten Flugblätter und leiteten Versammlungen. Der rote Audi mit der Mosbacher Nummer MOS-T 57 wurde langsam in Freital bekannt.
Dabei wurden sie von anderen Parteimitgliedern aus dem Neckar-Odenwald-Kreis wie etwa Heribert Becker und Ursula Hübner unterstützt. Am Sonntagmittag fuhr man wieder heim. Dabei wurden Vervielfältigungsgerät, Kopierer, Druckpapier und SPD-Werbematerial mit nach Sachsen genommen, nicht gerade das neueste Gerät, aber es funktionierte.
Da die SPD-Plakate von der Bevölkerung nicht gerade begeistert aufgenommen wurden, weil der damalige SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine die Wiedervereinigung angeblich nicht wollte, wurden diese allnächtlich wieder entfernt. So manche nächtliche Plakat-Klebe-Aktion musste am folgenden Tag wiederholt werden, weil die SPD-Plakate kaum nach dem Aufhängen wieder abgerissen wurden.
Nur die CDU hatte blühende Landschaften versprochen . Die bisherigen Blockparteien CDU (Ost) und die Liberalen (Ost) verfügten über Kapital, eigene Häuser und eine recht große Mitgliederzahl, die sich einbrachten. Eine SPD hatte es in der DDR seit 1946 nicht mehr gegeben, also hatte man auch keine Mitglieder zu übernehmen und keinerlei Finanzen und Grundbesitz. So war das Parteibüro eben eine Hinterhof-Garage und das Tagungslokal ein Hinterzimmer.

Wahlkampfhilfe
Wahlkampf vor dem Supermarkt mit Dieter Marx und Gerd Teßmer für die SPD sollte die Freitaler auf die SPD-Kandidaten zur Kommunalwahl 1990 einstimmen. Dabei war man dann auch recht erfolgreich und stellte mit Klaus Pollak sogar für eine Wahlperiode (7 Jahre) den Oberbürgermeister.
Kontakte mit Freital wurden vertieft
Alle Kosten dieser Unterstützungsfahrten trugen Gerd Teßmer und Rolf Schassner selbst. Aber die Begeisterung der neuen Sozialdemokraten in Freital machte vieles, was man improvisieren musste, wieder wett. Mit Dieter Marx hatte man auch ein Organisationsgenie in der Freitaler SPD gefunden, der schon bisher über den Fußball in weiten Teilen der Freitaler Bevölkerung bekannt war. Dieter Marx rief ein SPD-Kinderfest und einen Trödelmarkt im Freitaler Stadtteil Burgk ins Leben und organisierte in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz eine Gebraucht-Kleider-Börse. Seine Ideen wurden positiv aufgenommen und machten die SPD in Freital zumindest bekannt, wenn auch noch nicht beliebt. So überraschte es nicht, dass Dieter Marx auch gleich in den Kreistag gewählt wurde.
Dieser Kontakt mit Dieter Marx und der SPD Freital hat auch heute noch Bestand. Bemerkenswert war auch, dass man 1997 es für erwähnens- und feiernswert hielt, die 7 Jahre der Zusammenarbeit zwischen dem Neckar-Odenwald-Kreis und dem Kreis Freital mit einem Festakt im Freitaler Schloß feierlich zu begehen. Dazu waren dann auch die drei Gründerväter MdL Gerd Teßmer, Rolf Schassner und Heribert Becker aus dem Odenwald angereist. Sie wurden vom damaligen SPD-Landesvorsitzenden von Sachsen Karl-Heinz Kunckel und der Bundestagsabgeordneten von Freital Renate Jäger persönlich empfangen.
Die Zahl der gegenseitigen Besuche hat zwar etwas abgenommen, regelmäßige Brief- und Telefonkontakte sind und bleiben aber an der Tagesordnung.


Die Fotos von 1997 zeigen den damaligen sächsischen Landesvorsitzenden Karl-Heinz Kunckel (Bildmitte), MdL Gerd Teßmer (rechts) und Klaus Fiedler (links), sowie die Gastgeber im Gespräch beim Jubiläumstreffen 1997 und beim Festakt von 1997 vor dem Freitaler Schloß mit (v.l.) MdL Gerd Teßmer, Sachsens SPD-Vorsitzenden Karl-Heinz Kunckel, MdB Renate Jäger, Kreisrat Dieter Marx, Ortsvereinsalterspräsident Alfred Zomack, den 2. Vorsitzenden Horst Seeliger, OB Klaus Pollack und Stadtrat Günter Siebert vor dem Freitaler Schloss nach dem Festakt für 7 Jahre gemeinsame Aufbauarbeit.