Mandatsträger des SPD-Kreisverbandes Neckar-Odenwald (1964 - 1972)

Veröffentlicht am 14.06.2008 in Historisches

Kurt Wagner (29.03.1915 – 11. 01.1986)

SPD-Landtagsabgeordneter im Kreis, SPD-Ehrenkreisvorsitzender

Es hat im Odenwald und Bauland lange gedauert, bis man die Sozialdemokraten akzeptierte, ernst nahm und auch wählte. Das lag in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts aber dann noch weniger an der Partei als an der zu geringen Zahl an Persönlichkeiten, die es trotz Kritik und Missgunst wagten, sich zur SPD zu bekennen.

Kurt Wagner, Bürgermeister von Michelbach

Mit Kurt Wagner hatte die SPD im Odenwalds eine Persönlichkeit in ihren Reihen. 1915 in Michelbach geboren, machte er sich in und um seinen Heimatort verdient. Er spielte aktiv Fußball, führte jahrzehntelang den FC Union Michelbach als Vorsitzender und machte aus seiner Heimatgemeinde als Bürgermeister einen attraktiven Wohnort. Auch in der Arbeiterwohlfahrt von Michelbach kümmerte sich Kurt Wagner um seine Mitbürgerinnen und Mitbürger. Im Weiteren war er im Fußballkreis Mosbach an führender Position tätig und war schon früh in die SPD eingetreten. Wenn man auch seine politische Ausrichtung nicht überall schätzte, so genoss der Mensch Kurt Wagner doch hohes persönliches Ansehen, auch beim politischen Gegner. Vor Ort hatte er mit Günter Glumm und Walter Kiefer zwei persönliche Freunde, die stets an seiner Seite für ihn eintaten und ihn unterstützten. Mit ihnen zusammen baute er auch in dem kleinen Michelbach einen äußerst aktiven SPD-Ortsverein auf, der zu den aktivsten und größten im SPD-Kreisverband Mosbach zählte. Im Kreis hatte er mit dem jungen Rechtsanwalt Eckhard Hoffmann einen Mitstreiter, der Kurt Wagner besonders im politischen Bereich unterstützte und Wahlkämpfe für ihn vorbereitete und organisierte. Vom SPD-Unterbezirk hatte Kurt Wagner in Hugo Pettirsch aus Ziegelhausen, dem späteren SPD-Kreisgeschäftsführer in Mosbach, einen Freund und Unterstützer.


Nicht oft hatten die Sozialdemokraten im Odenwald in den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts bei Wahlen Grund zum Lachen und Feiern, lediglich 1964 reichte es Kurt Wagner (2. v.r.) zum Einzug in den Landtag von Baden-Württemberg.

1964 – Kurt Wagner wird erster SPD-Landtagsabgeordneter im Odenwald

Als dann in der damals noch kleinen SPD, die nur über eine Handvoll Ortsvereine verfügte, der Kreisvorsitzende Fritz Lingenberg den Michelbacher Bürgermeister bat, doch 1964 für den Landtag von Baden-Württemberg zu kandidieren, willigte Kurt Wagner schließlich ein. Ein kurzer, aber von den Mitgliedern intensiv gestalteter Wahlkampf schaffte schließlich das „Wunder von Michelbach“. Die Riege der SPD-Bürgermeister Otto Freyh (Hüffenhardt), Ernst Ertl (Obrigheim), Richard Wagner (Neunkirchen), Georg Hofmann (Neckarzimmern), Richard Reimold (Fahrenbach), Oskar Binnig (Mittelschefflenz), Gerhard Hauck (Waldbrunn) hatte sich ebenso engagiert, wie Eckhard Hoffmann (Obrigheim) und Werner Kolczynski (Fahrenbach), die mit ihrem Lautsprecherwagen im Wahlkreis für Kurt Wagner unüberhörbar geworben hatten.
Was dieser Einzug von Kurt Wagner in das Stuttgarter Landesparlament bedeutete, macht ein Vergleich der SPD-Strukturen vor 1964 und nach 1968 deutlich. Im ganzen Kreis Mosbach entstanden neue Ortsvereine und bereits bestehende blühten richtig auf. Nun gab es auch SPD-Vertreter in den Gemeinderäten, die erstmals auf sozialdemokratischen Listen kandidierten. In Obrigheim stellte die SPD damals für einige Zeit sogar die Ratsmehrheit. Auch im Kreistag konnten die wenigen Sozialdemokraten nun eine Fraktion bilden.
Im Dezember 1966 kündigte die CDU die Koalition mit der FDP auf und ging mit der SPD ein Regierungsbündnis ein, das immerhin bis 1972 hielt. Ministerpräsident Dr. Kurt Georg Kiesinger wurde von Dr. Hans Filbinger abgelöst. Walter Krause (SPD) wurde Innenminister und stellvertretender Ministerpräsident.
Die SPD hatte sich landesweit gegenüber 1960 von 35,3% auf 37,3% steigern können, was die Zahl der Landtagsmandate von 44 auf 47 erhöhte. Trotz dieses spürbaren Aufschwungs der SPD im Kreis Mosbach hielt diese positive Stimmung nicht an und bei der folgenden Landtagswahl fielen die Sozialdemokraten im Land auf 29% zurück, was Kurt Wagner das mühsam eroberte Landtagsmandat kostete. Von den 47 Abgeordneten waren nur noch 37 übrig geblieben.


Walter Krause(SPD), Innenminister von 1966 – 1972, unterstütze die Kreis-SPD bei der Landtagswahl 1972. Das Foto zeigt ihn im Gespräch mit Eckhard Hoffmann (Obrigheim) und Oskar Binnig (Mittelschefflenz).

1972 – trotz tollem Wahlergebnis knapp gescheitert

Doch weder Kurt Wagner noch seine Mitstreiter gaben auf und so bewarb sich der Michelbacher Bürgermeister auch 1972 wieder um ein Landtagsmandat. Obwohl die SPD von der Aufbruchstimmung in Bonn, die Willy Brandts neue Ostpolitik bewirkt hatte, profitierte und ihr bestes Landtagsergebnis aller Zeiten erreichte – sie kam auf 37,6% und holte 45 Mandate – fehlten Kurt Wagner knapp 500 Stimmen zum Wiedereinzug ins Parlament. Tragisch war dabei, dass man gegen 23 Uhr in der Michelbacher Sporthalle schon gejubelt hatte, weil im Radio der Einzug für Kurt Wagner bekannt gegeben wurde. Tief traurig und enttäuscht ging man dann aber gegen Mitternacht auseinander, als das vorläufige Endergebnis ergab, dass es trotz gutem Wahlergebnis im Kreis wegen etwa 480 Stimmen nicht gereicht hatte.

Text und Fotos: Gerd Teßmer

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