Klaus Richter – der erste SPD-Bundestagsabgeordnete zwischen Neckar und Main (1965 – 1976)

Veröffentlicht am 13.01.2011 in Historisches
 

Elf Jahre wirkte der Wahl-Wertheimer Klaus Richter als sozialdemokratischer Bundestagsabgeordneter für die Region Odenwald-Tauber (1965-1976). Er half in dieser Zeit tatkräftig mit, neue Ortsvereine der SPD zu gründen und die SPD im ländlichen Raum als politische Kraft zu etablieren. Schon früh erkannte er die Bedeutung für ein geeintes Europa und für die Verbesserung der Bildungschancen im ländlichen Raum. Der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt unterstützte Klaus Richter bei der Nominierung zum Vizepräsidenten des Europarates 1974. Das Foto zeigt Klaus Richter im Gespräch mit Bundeskanzler Helmut Schmidt.
Foto: Teßmer

Odenwald-Tauber. Lange hatten Sozialdemokraten zwischen Neckar und Main warten müssen, bis es erstmals gelang einen eigenen SPD-Bundestagsabgeordneten in den Bundestag nach Bonn zu entsenden. Dies gelang nach einer emsigen Parteiarbeit und engagiertem Wirken in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens dem Wertheimer Realschullehrer Klaus Richter durch einen Listenplatz auf der baden-württembergischen Landesliste in der 5. Wahlperiode des Deutschen Bundestages (1965 – 1969).
Bis es dazu kam, hatte Klaus Richter einen langen und steinigen Weg zurückgelegt. Als er nach drei Kriegsjahren 1945 nicht mehr in seine oberschlesische Heimat zurückkehren konnte, vertrieb ihn das Schicksal an den Main nach Wertheim. 1946 trat er in den Schuldienst von Württemberg-Baden ein. Neben seinen Realschulverpflichtungen mit den Fächern Geschichte und Geographie übernahm er später noch einen Lehrauftrag an einer Fachschule der Bundeswehr.

Listenplatz für Klaus Richter bei der Bundestagswahl 1965

Obwohl Wertheim nur am Rande des Unterbezirks Heidelberg lag, wählte man den Kreisvorsitzenden vom Kreis Tauberbischofsheim auch noch zum Unterbezirksvorsitzenden. Im SPD-Landesvorstand machte er schon bald als Vorsitzender des Ausschusses für Außen- und Sicherheitspolitik auf sich aufmerksam.
Klaus Richter, am 24. Oktober 1923 in Breitenmarkt (Oberschlesien) geboren, verlor nie den Kontakt zur Basis. Für viele Wahlperioden gehörte er dem Stadtrat von Wertheim an.
1965 war es dann soweit und die Landesnominierungsversammlung setzte Klaus Richter auf einen sicheren Listenplatz der Landesliste Baden-Württemberg. In Bonn arbeitete Klaus Richter als Mitglied im Verteidigungsausschuss mit und gehörte stellvertretend auch dem Petitionsausschuss an. Im 7. Bundestag wechselte er in den Ausschuss für Bildung und Wissenschaft.

Klaus Richter – ein Freund der europäischen Zusammenarbeit

Im Jahre 1966 entsandte seine Fraktion als ordentliches Mitglied in den Europarat und in die Versammlung der Westeuropäischen Union.1973 wählte ihn die Sozialistische Fraktion der Beratenden Versammlung des Europarates zu ihrem Vizevorsitzenden.
Vor Ort blieb Klaus Richter nicht nur Stadtrat, sondern engagierte sich im Vorstand des Fußballkreises Tauberbischofsheim und des Turnerbundes. Aktives Mitglied war Klaus Richter auch im Deutschen Gewerkschaftsbund, bis 1955 in der ÖTV, dann in der GEW.
Während dieser elf Jahre als Bundestagsabgeordneter war Klaus Richter maßgeblich an der Einrichtung eines Parteibüros in Mosbach im Jahre 1971 beteiligt und bei allen damaligen Ortsvereinen zwischen Taubergrund und Kleinem Odenwald war MdB Klaus Richter ein häufiger Gast.
Als Mitte der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts die SPD sich immer stärker in Flügelkämpfen zerrieb, nutzte das fast unmenschliche Engagement Klaus Richters bei der Listenaufstellung wenig. Zu stark waren die Delegierten der Ballungsräume, so dass ihm eine erneute Absicherung 1976 verwehrt blieb. Der Deutsche Gewerkschaftsbund nutzte die Beziehungen und Kenntnisse des rührigen Wahl-Wertheimers aber weiterhin und machte Klaus Richter im September 1975 zum Leiter der Verbindungsstelle des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bonn.

Klaus Richter verstarb am 12.01.2011 im Alter von 87 Jahren.

Von Gerd Teßmer

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