September 1971 - als der Aufschwung für die SPD im Odenwald begann

Veröffentlicht am 28.03.2008 in Historisches

Bericht von Gerd Teßmer (Kreisschriftführer 1971-1978, dann Kreisvorsitzender 1978 – 2003)

Zwei Themenbereiche Ende der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts brachten den Sozialdemokraten in Odenwald und Bauland einen unerwarteten Aufschwung: die neue Ostpolitik von Willy Brandt und der Aufbruch im Bildungswesen nach 1968 !

Die Sozialdemokraten spürten den Aufwind durch eine junge Lehrergeneration mit progressiven Ideen und gewerkschaftlichem und politischen Engagement in vielen Bereichen des Schulwesens in den beiden Kreisen Buchen und Mosbach. Optisch kam diese Neuorientierung im Bildungswesen durch die Gründung des neuen Ganztagesgymnasiums in Osterburken und des Aufbau-Gymnasiums in Adelsheim und des neuen Gymnasiums in Neckarelz zum Ausdruck. Der Ruf der Bildungsreformer nach der „Erschließung der Bildungsreserven im ländlichen Raum“ zeigte Folgen. Die Realschulen stiegen zur Schule des aufstrebenden Bürgertums auf und die Gymnasien hielten Einzug ‚auf dem Land’. Mit diesen neuen Schultypen und Schulen kamen so viele junge Lehrerinnen und Lehrer, dass sich auch die Bildungsvermittlung neuen Normen unterwarf. Die Schulen in Odenwald und Bauland waren plötzlich ‚progressiv’ und neue Lehr- und Lernmethoden hielten Einzug im Land zwischen Neckar und Tauber und in Osterburken entstand neben den alten SPD-Ortsvereinen in Adelsheim und Sennfeld der erste neue SPD-Ortsverein im Bauland.
Parallel dazu verlief eine Überdenken der deutschen Sicht über unsere Nachbarn im Osten. Aus den Feinden von vorgestern und den Völkern unter sowjetischer Vorherrschaft wurden ‚Länder der friedlichen Koexistenz’. Man sprach miteinander. Den Durchbruch für die deutsche Sozialdemokratie brachte Willy Brandt als neuer Parteivorsitzender. Er verkündete den ‚blauen Himmel’ über der Ruhr als Umweltziel und die Aussöhnung mit den Völkern im Osten. Die Verträge mit Moskau und Warschau, später auch mit Prag machten Kontakte zu den östlichen Nachbarn möglich. Durch Reisen in die einstmals deutschen Ostgebiete und durch seine Geste der Versöhnung in Warschau schaffte Willy Brandt die Akzeptanz der SPD in der deutschen Bevölkerung und machte die SPD erstmals zur größten Partei in Deutschland, die mit der FDP in der sozialliberalen Koalition Deutschland politisch und wirtschaftlich nach vorne brachte. Besuche in der DDR wurden möglich, wenn auch zunächst nur in West-Ost-Richtung.
Diese politischen Erfolge rissen viele mit und die SPD erlebte einen unerwarteten Mitgliederzuwachs, besonders in den sonst konservativ wählenden ländlichen Räumen. Erstmals schaffte man 1964 für eine Legislaturperiode mit Kurt Wagner, dem Bürgermeister des roten Michelbachs, den Einzug eines sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten ins Stuttgarter Parlament. 1968 zog der Wertheimer Realschullehrer und Fußballkreisvorsitzende des Kreises Tauberbischofsheim, Klaus Richter über die Landesliste von Baden-Württemberg in den Deutschen Bundestag ein.
Auch in Stuttgart wurde man auf die aufsteigende Tendenz der SPD im nördlichsten Teil des Landes Baden-Württembergs aufmerksam. Nach einigen Monaten der Vorbereitung kam es im September 1971 zur Eröffnung der 1. SPD-Kreisgeschäftsstelle in Mosbach am Kirchplatz, also mitten in der Kreisstadt. Erster Kreisgeschäftsführer wurde der Ziegelhäusener Parteivorsitzende und langjährige Landesgeschäftsführer Hugo Pettirsch.
Zur Einweihung und Eröffnung kamen der Entwicklungsminister Erhard Eppler aus Bonn und der Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Odenwald-Tauber Klaus Richter. Der Wunsch von Erhard Eppler vom September 1971, dass in allen Gemeinden der beiden Kreise Buchen und Mosbach eigene Ortsvereine bestehen, ging allerdings erst unter der Vorstandschaft von Gerd Teßmer in Erfüllung, nachdem unter Kurt Wagner, der Fritz Lingenberg als Kreisvorsitzenden beerbt hatte, und Eckhard Hoffmann in zahlreichen Orten in beiden Kreisen erstmals eigene Ortsvereine hatten gegründet werden können.
Mit der Eröffnung einer eigenen SPD-Geschäftsstelle unter der Führung von Hugo Pettirsch und der Mitarbeiterin Irmgard Kolczynski hatten die Sozialdemokraten nun endlich einen eigenen politischen Treff- und Mittelpunkt.


Zum politischen Treff- und Mittelpunkt entwickelte sich ab September 1971 die neugegründete SPD-Kreisgeschäftsstelle in Mosbach am Kirchplatz. Zur Einweihung kam Entwicklungshilfe-Minister Erhard Eppler und MdB Klaus Richter. Das Foto zeigt (v.l.) den Kreiskassierer Heribert Becker (Obrigheim), den Ehrenkreisvorsitzenden Fritz Lingenberg (Mosbach), Minister Erhard Eppler, den Limbacher Ortsvereinsvorsitzenden Otto Kohl, den Mosbacher Ortsvereinsvorsitzenden Ewald Linek und MdB Klaus Richter.

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