„Die Welt im Krieg statt Frieden auf Erden“

Veröffentlicht am 03.01.2026 in Aktuelles

Ukraine-Mahnwache 3.1.2026

Rede Dr. Dorothee Schlegel

Friede auf Erden, so haben wir es in den letzten vielen Wochen gehört und gesungen, erhofft, erbeten, erwünscht, geträumt. Und dann kam es immer wieder anders.

Die Welt hat im vergangenen Jahr so viele bewaffnete Konflikte erlebt wie noch nie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Und daher fragen wir uns immer wieder: wann ist Frieden möglich und wann ist Frieden scheinbar nicht umzusetzen oder zu gestalten.

Als kleine Nachlese zum eigentlich immerwährenden Weihnachten in unseren Herzen habe ich ein Bild mitgebracht, dass mich sehr berührt hat. Weihnachten als das Fest, an dem uns Frieden auf Erden zugesagt ist. Das Bild trägt die heimliche Überschrift: „wo bleibst du Trost der ganzen Welt?“  Gestaltet wurde das Bild vom ukrainischen Künstlerpaar, Sonia Atlantova und Oleksandr Klymenko, gemalt als Ikonen auf zurückgelassene russische Munitionskisten.

Es stellt Maria ohne Kind dar, eine Ikone auf rohem Holz. Eine Mutter Gottes auf der Seitenwand einer Munitionskiste. Eine Ikone aus dem Krieg in der Ukraine. Diese Maria auf dem Bild hält ein unsichtbares Kind. Denn tatsächlich fällt es schwer, Gottes Gegenwart in der Welt und die Zusage vom Frieden auf Erden in der Welt zu erkennen.

Aber dass es diese Ikone gibt, ist ein Hoffnungszeichen dafür, dass Gewalt und Krieg nicht das letzte Wort haben werden. Es ist ein Zeugnis für das wirklich Wertvolle, dass Tröstende und Kraftgebende mitten im Krieg. Es ist ein Schimmer von Hoffnung - an allen Orten.

Teresa von Avila – eine im Mittelalter lebende Mystikerin und Theologin - hatte einst formuliert, dass es unsere Hände, unsere Füße, unsere Worte sind, die Frieden und Mitmenschlichkeit, in die Welt zu tragen „vermögen“ (um unseren inneren Reichtum zu benennen).

In unserer Geschichte gab es große Kriege - welche Möglichkeiten wurden gefunden, um wieder zum Frieden zu finden?

Die beste Lösung ist sicher die, dass sich beide Seiten zu einem Kompromiss bereit erklären, Zugeständnisse machen, um einen Frieden zu erreichen. Dieser kann brüchig werden, wenn Abkommen nicht eingehalten werden. Ein Beispiel für eine solche Kompromiss- Lösung war der Koreakrieg, der von Juni 1950 bis Juli 1953 stattfand. Es war wie so oft ein Stellungskrieg ohne wesentliche Geländegewinne. Es folgte ein von den USA und der damaligen Sowjetunion initiiertes Abkommen zur Teilung der koreanischen Halbinsel. Man einigte sich auf einen Waffenstillstand. Bis heute gibt es eine 4 km breite entmilitarisierte Zone, die das Land trennt.

Eine zweite Möglichkeit ist die Intervention, in dem das Kriegsende durch militärischen und diplomatischen Druck von außen kommt, ob von Großmächten, Friedensmissionen oder internationalen Organisationen. Als Beispiel dafür dient der Krieg gegen den IS, der von 2011 bis April 2019 stattfand. 2011 entwickelte sich aus friedlichen Protesten in Syrien letztendlich ein Bürgerkrieg. Der IS wurde zwar durch internationale Militärintervention als territoriale Macht besiegt, aber die terroristische Bedrohung besteht weiterhin.

Eine weitere Lösung wäre das Einfrieren des Konflikts. D.h. Kämpfe werden eingestellt, ohne dass der Konflikt gelöst ist. Trotz Friedensbemühungen kann es daher jederzeit zu einer neuen Eskalation kommen. Dafür steht der Krieg in Israel und Gaza. Der israelisch-palästinensische Konflikt dauert bereits viele Jahrzehnte. Seine Ursachen gehen weit in die Geschichte zurück. Der Anschlag der Hamas im Oktober 2023 auf israelische Zivilisten und die Verschleppung von Geiseln hatte einen weiteren Nahost-Krieg eingeläutet.

Ab September 2025 haben beide Seiten auf Druck der USA miteinander verhandelt. Beide Seiten stimmten der ersten Phase eines US-Plans zu, der ein Kriegsende und die Freilassung aller Geiseln zum Ziel hat. Die vereinbarte Waffenruhe wird seitdem weitestgehend eingehalten. Doch die Lage bleibt fragil. Die letzten lebenden Geißeln wurden übergeben. Die Situation der Menschen ist - wie bei jedem Krieg und auch danach - katastrophal.

Und wo stehen wir beim Krieg zwischen Russland und der Ukraine, der im Februar 2014 begann, und zwar mit dem Sturz der ukrainischen Regierung, in Folge dessen der damalige Präsident ins Ausland geflohen ist? Kurze Zeit später annektierte Russland die Krim und im Donbass begannen die Kämpfe. Im September 2014 wurde eine Waffenruhe vereinbart, die jedoch mehrmals gebrochen wurde. Inzwischen ist die Anzahl der so genannten Kontrahenten gewachsen - und es kann wie schon so oft - von einem Stellvertreterkrieg die Rede sein. Auf der einen Seite Russland, unterstützt von Iran, Nordkorea und China. Und auf der anderen Seite die Ukraine, die von vielen NATO-Staaten unterstützt wird.

Ab April 2021 zog Russland Truppen an der Grenze zur Ukraine zusammen. Und im Februar 2022 begann der Angriff auf die Ukraine. Russland brachte den Krieg zurück nach Europa. Er ist, wenn man so will, eine nächste Eskalationsstufe eines langen Konflikts, dessen Folgen nun weltweit spürbar sind.

Trotz internationaler Vermittlungsversuche ist kein Kriegsende in Sicht. Auch wenn wir stetig neue große Worte aus Amerika hören. Die Frontlinien haben sich stabilisiert, doch die Kämpfe dauern an. Und weiterhin besteht die Gefahr einer direkten Konfrontation von NATO und Russland.

Wenn wir über unterschiedliche Möglichkeiten gehört haben, wie Kriege enden können, dann hoffe ich nicht auf die vierte Variante, nämlich, dass eine Seite ihren Gegner vollständig besiegt. Denn ein solches klassisches Kriegsende, auch bezeichnet als totaler Sieg, geht oft mit Kapitulation und einer politischen Neuordnung einher.

Ein überaus akzeptables Kriegsende, allerdings nach 30 Jahren Krieg, war der Westfälische Frieden. Diese Einigung gilt historisch gesehen als vorbildlich, weil sie die Verlierer nicht demütigte und den Wunsch nach Vergeltung durch eine Amnestie minderte. Kernpunkte waren die rechtliche Anerkennung der Konfessionen und der Territorien. Auch der Versailler Vertrag nach dem Ersten Weltkrieg brach mit einem alten Friedensprinzip. An die Stelle des gnädigen Vergessens treten nun Recht und Schuld. Das erlaubt die Ahndung von Verbrechen, kann aber auch neuen Konfliktstoff schaffen.

Was vielen von uns noch in Erinnerung ist oder war, ist das Ende des Zweiten Weltkriegs, das zur ideologischen Blockbildung zwischen West und Ost führte und der Teilung Deutschlands.

Der Blick auf die Ukraine und die aktuellen Friedensverhandlungen, so zeigt es sich mir, wird von beiden Seiten nicht zielorientiert geführt. Sie finden zwar immer wieder statt, aber lassen zu viele Fragen offen. Was ist die Absicht der USA, was wünscht sich die Ukraine, was wünschen sich die Menschen dort, auch zum Beispiel auf der Krim und in Mariupol? Was geht in den Köpfen vieler Politiker, auch in Russland vor?  Sind die Verhandlungen tatsächlich von Frieden geprägt oder von territorialen Ansprüchen, von Wirtschaftsabkommen, von Weltherrschaft, oder gar nur von Angst oder vom Gesichtsverlust?

Auf Pablo Picasso geht die weiße Taube zurück, die er 1949 als Plakat- Motiv für die Pariser Weltfriedenskonferenz gezeichnet hat. Sie wurde zu einem Symbol für die weltweite Friedensbewegung.  Schicken wir weiterhin mit unseren Mahnwachen diese Friedenstaube auf den Weg, um daran zu erinnern, welchen kleinen, auch so wichtigen Beitrag wir zum Frieden auf Erden leisten können und müssen. Denn letztendlich findet „Friede auf Erden“ zwischen Menschen statt, weltweit und bei uns hier vor Ort.

Dr. Dorothee Schlegel

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