Friedensnobelpreisträger Willy Brandt in Dallau – größte SPD-Veranstaltung aller Zeiten
von Gerd Teßmer (Kreisschriftführer 1971-1978, dann Kreisvorsitzender 1978 – 2003)
Neckar-Odenwald-Kreis. Für all diejenigen, die an diesem warmen Augusttag des Jahres 1976 nach Dallau gekommen waren, wird der Tag unvergesslich bleiben.
Über 4000 Menschen kamen, um den SPD-Bundesvorsitzenden und Friedensnobelpreisträger Willy Brandt persönlich zu erleben – und bereuten es nicht. So viele Menschen hatte vorher – und wohl auch nachher – noch keine politische Partei in den Neckar-Odenwald-Kreis gelockt!
Im Vorfeld hatten der unvergessene SPD-Kreisgeschäftsführer Hugo Pettirsch, Irmgard Kolczynski vom Mosbacher Parteibüro und der rührige und kämpferische Kreisvorsitzende Eckhard Hoffmann aus Obrigheim in Zusammenarbeit mit dem Elztaler SPD-Vorsitzenden Gerhard Schmitz und seinem Team und dem Schefflenzer Kreisrat Oskar Binnig alles in Bewegung gesetzt, um diesen Tag zu einem Erlebnis und denkwürdigen Tag für alle Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten aus der Region Unterer Neckar und dem Heilbronner Unterland, für alle Sympathisantinnen und Sympathisanten und Willy-Brandt-Fans und für Mitbürgerinnen und Mitbürger werden zu lassen.
Der gesamte Kreisvorstand mit Werner Kolczynski, Peter Knoche, Georg Hofmann, Hermann Gaukel, Andreas Mihan, Gerd Teßmer, Adolf Trunk, Ewald Linek, Otto Freyh, Ernst Ertl, Werner Sabelhaus, Richard Reimold, Werner Haas, Karl-Heinz Schmidt und alle Ortsvereinsvorsitzenden mit starken Abordnungen bildeten ein Spalier mit roten SPD-Fahnen, als Willy Brandt die Elzberg-Straße hinauf und vor der Halle vorfuhr. Die örtliche Kapelle empfing ihn zünftig mit dem Badner-Lied und Willy Brandt bekam Spezialitäten aus Odenwald und Bauland gereicht, um sich auch nach diesem Tag noch an die Genossinnen und Genossen im Odenwald zu erinnern.
Der Kreisvorsitzende Eckhard Hoffmann stellte dem hohen Gast aus Bonn seinen Kreisverband mit den vollzählig erschienenen Mandatsträgern vor und machte deutlich, wie stolz man sei über den hohen Besuch. Und es dauerte dann auch nicht lange, bis Willy Brandt mit seiner zündenden Rede alle Anwesenden zu Beifallsbekundungen und spontanen Applaus mitriss. Diesem Mann vertraute man, diesem Mann glaubte man und dieser Mann strahlte Vertrauen aus, hatte er doch mit vielen kleinen Schritten die Aussöhnung Deutschlands mit seinen östlichen Nachbarn, allen voran Polen erreicht und den Frieden in Mitteleuropa sicherer gemacht.
Für Die SPD-Mitglieder im Neckar-Odenwald-Kreis war dieser Tag aber auch ein besonderer deshalb, weil man spüren durfte, dass die schwierigen Jahre ohne öffentliche Anerkennung, mit Benachteiligungen für bekennende Sozialdemokraten nun endlich vorbei waren. Mit dem Jahr 1976 begann für die relativ kleine Gruppe der Sozialdemokraten im Neckar-Odenwald-Kreis nun die Zeit des Mitgliederzuwachses und der erhöhten Zahlen in den Gemeinderäten und im Kreistag. Es sollte allerdings noch einige Jahre dauern, bis man wieder ein Bundestagsmandat (Brigitte Adler 1987) und ein Landtagsmandat (Gerd Teßmer 1984) erringen konnte. Nachhaltig wirkte sich dieser 22. August 1976 aber auf das Selbstwertgefühl der SPD im Kreis aus, und zwar für viele, viele Jahre nach 1976.
Der Friedensnobelpreisträger der Bundesrepublik Deutschland, der SPD-Bundesvorsitzende Willy Brandt weilte im Sommer 1976 einen Tag lang im Neckar-Odenwald-Kreis und schuf eine Begeisterung und Stimmung, die für die SPD nach jahrelang nachwirkte. Die Fotos zeigen Willy Brandt bei seiner Rede vor der Elzberghalle in Dallau und zusammen mit MdB Klaus Richter unter den Menschen.

